Minerva
Kal:
17.29.



G.Schmidt No. 006
G.Schmidt No. 008


Springende Minutenzähler

Uhrengläser aus YAG
G.Schmidt mit Kaliber
736-3
von La Joux-Perret
Hand-
gefertigte
Uhren-
armbänder

G.Schmidt
Chronograph mit Kaliber
108VCC

 

 

Rolex Kaliber 1570 vs. Omega Kaliber 1021

Eine Revision zweier Chronometerwerke aus den 60er und 70er Jahren.

 

Rolex Datejust, Edelstahlgehäuse mit Weißgoldlünette, Durchmesser 36 mm, Kaliber Rolex 1570

G. Schmidt, Unikat-Edelstahlgehäuse mit Titanlünette, Durchmesser 43 mm, Kaliber Omega 1021

 

Um es gleich vorweg zu nehmen, frisch geduscht, geölt und gut reguliert sind beide Werke auch nach Jahrzehnten noch in der Lage, die von der C.O.S.C. vorgegebenen Mindestwerte zur Erlangung des Gangzeugnis zu erreichen und sogar problemlos zu übertreffen.

 


   Rolex 1570 mit abgenommener Automatik-Baugruppe

 

 


Rolex hat 26 Rubine verbaut - Omega 23.

 

 


                      

                   

   Omega 1021 mit Schwermetallrotor


 
Das filigrane nur 4,8 mm hohe Omega Werk hat die Jahre genau so gut überstanden wie das
robuster gebaute Rolex Werk (Grundkaliber 1530) mit seinen stattlichen 5,75 mm.
Gravierende Abnutzungsspuren sind an keinem Werk festzustellen, was zeigt, dass  erstklassige Materialien verwendet wurden.

Omega, nach den vielen Problemen  mit der zu flach gebauten 1000er Serie, hatte sich mit den Kalibern 1010-1022 besonders angestrengt, wie man in der  „Technical Guide“ Nr.54- 1972 nachlesen kann:

„Calibers 1010 to 1022 have been developed on mathematical bases. Indeed, a method of calculation has been perfected in our laboratories whereby maximum data is obtained with regard to the chief features of the various movement parts. Thus, having the most information possible, the constructor is able to  carry out his research under better-controlled conditions than previously. Trial series have confirmed the advantages of this method for, with the said caliber, we are securing timekeeping results which have as yet never been achieved by movements of the same category.

Moreover, let us mention that, if this new caliber presents obvious similarities to caliber 1000, it has nevertheless been entirely reconceived and can in no way be compared with it.”

 

 

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Ohne Zweifel, die letzten von Omega selbst gebauten Automatikwerke der Serie 1010-22 sind hervorragend. Allerdings, ganz richtig ist der letzte Satz in der „Technical Guide“  nicht  --  denn die 1010-22er Kaliber sind, bis auf die geänderte Werkhöhe, fast identisch mit den 1000er Kalibern.

 

 

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Die Zeitwaage zeigt in allen fünf Lagen hervorragende Werte. Deutlich erkennt man, dass der Schwingungsbogen der Unruh im Hängen kleiner ist als im Liegen.  Leider lässt sich die größere Unruhzapfenreibung im Hängen, die für die geringere Amplitude in diesen Lagen  verantwortlich ist, nicht verbessern.
Die sechste, beim Tragen einer Uhr am seltensten vorkommende Lage „Krone rechts“ kann man vernachlässigen.

 

Während bei der Omega die Feinreglage über einen Rücker erfolgt, der sich durch eine seitliche Schraube verstellen lässt, verwendet Rolex zwei Microstella-Regulierschrauben.
In Verbindung mit der Breguetspirale ein erstklassig regulierbares System.


 Die Rolex Unruh mit  Microstella-Regulierschraube.

 



Auch aus preiswertem Federdraht kann man einen  Schwanenhals  fertigen  - als
Augenweide kann man dieses Omega Teil jedoch nicht bezeichnen.

 

 

Auch der Anker von Omega ist keine Schönheit, während der filigrane Anker von Rolex mit feinst anglierten Kanten  glänzt.

 

Sehr gut verarbeitet ist das eingepresste, hochglanzpolierte Bronzelager für das Federhaus.

 

 

Beide Werke lassen sich ohne Probleme zerlegen und wieder zusammen bauen.
Auch die Mechanik  der Kalendarien  ist gut konstruiert. Man muss nicht damit rechnen, dass einem beim öffnen der Deckplatten Federn um die Ohren fliegen.


Das Omega Kalendarium

 


Das Rolex Kalendarium.
Die Mutter  der Datumsscheibe hat ein Linksgewinde. Um diese zu öffnen benötigt man ein Spezialwerkzeug.

 

Die Spuren meines Vorgängers am Kaliber 1570 - unglaublich!

 

 

Sauber ausgeführt ist das winzige hochglanzpolierte Minutenrohr des Kleinbodenrades.

 

 

Das montierte Zentrumminutenrohr der Omega bedarf einiger Aufmerksamkeit.

Zerlegen, reinigen und ölen  ist angesagt. Um das Rohr vom Rad zu entfernen wird 
es kopfüber in ein ausreichend großes Loch der Triebnietmaschine gesteckt und
von hinten mit einem genau passenden Dorn, durch leichten Druck, entfernt.
Abdrehen vom Zahnrad mittels Spannzange oder Stiftenkloben ist nicht zulässig! 

Beim  Zusammenbau  wird das Rad, mit einem exakt passenden Punzen, auf das 
Rohr gedrückt (siehe Fotos).

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Zentrumminutenrohr der Omega mit Zahnrad.

 


 




Mit Epilam versehen werden : Anker, Ankerrad, Zentrumsekundentrieb und Friktionsfeder.

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Um die Gebrauchslösung in der Vorratsflasche vor Verunreinigungen zu schützen, benutze ich immer nur eine kleine Menge, die ich in ein kleines Glas fülle das im oberen Bereich mit einem  Sieb  und einem Verschluss versehen ist. Durch stülpen des Glases werden alle Teile  gleichzeitig benetzt und können danach sofort entnommen und getrocknet werden.

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Nach mehreren Durchgängen wird die Gebrauchslösung im Glas gewechselt.

 

 

Die auf dem Ring des Zentrumsekundentrieb aufliegende Friktionsfeder des
Kaliber 1021 ist dreifach gesichert und kann sich deshalb nicht seitlich verschieben.

 

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Die epilamisierte Friktionsfeder der Rolex mit einem applizierten winzigen Öltropfen.

 

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Rolex verwendet als Unruh-Stoßsicherung das Kif-Ultrafex-System. Das Ankerrad läuft in zwei Duofix-Kombilagern.
Nach dem Öffnen verbleibt die Decksteinfeder im Kombilager, da die Feder mit beiden
Beinen eingeklinkt ist kann sie auch nicht verloren gehen. Die Feder sollte nicht entnommen werden.

 

 

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Beide Werke sind mit Sekundenstop ausgestattet. Bei Omega ist der Hebel aus Kunststoff gefertigt, bei Rolex aus einem schmalen Stück Metall. Die flexible Kunststoff Variante ist eine gute Lösung um beim ziehen der Krone den Schlag auf die Unruh und Unruhwelle etwas abzumildern.

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Die Automatik-Baugruppe von Omega mit dem patentierten Satellitenradwechsler, der auch in den Kalibern der 550er Serie verbaut wurde.



Der zerlegte Satellitenrad-Wechsler (Spannrad).
Das Mittelteil mit den beiden Aufnahmen für die Satellitenräder besteht aus Lagermaterial. Laut „Technical Guide, Nr.46-1970", ist der Wechsler selbstschmierend und benötigt nur an den Zapfenenden der Mittelachse Öl.

 


Die Automatik-Baugruppe von Rolex mit den rot eloxierten Klinkenrädern.

Die beiden Sigma Zeichen neben dem T SWISS T weisen darauf hin, dass Indizes und oft auch Zeiger aus Edelmetall verbaut wurden.


Das Rolex Kaliber 1570 zeigt, dass bereits Anfang der sechziger Jahre die mechanische Armbanduhr ausgereift war.
Alle sogenannten Innovationen der letzen Jahre sind dem Druck geschuldet,
immer wieder etwas Neues auf den Markt zu bringen um sich von den Mitbewerbern zu unterscheiden. Doppelte Federhäuser, höhenverstellbare Unruhkloben, teure Co-Axial-Hemmungen und teure Unruhspiralen aus Silizium werden das Gangverhalten der Armbanduhren nur unwesentlich verbessern.

Wer sich für diese in die Jahre gekommenen Oldtimer entscheidet wird sich, nach einer unbedingt durchzuführenden Revision, noch viele Jahre daran erfreuen. Er sollte jedoch vor dem Kauf darauf achten, dass sich das Uhrwerk in einem einwandfreiem unverbastelten Zustand befindet.

Für Laien ist der Zustand eines Uhrwerks oft schlecht einzuschätzen. Bei malträtierten Schraubenkopfschlitzen, die für jeden erkennbar sind,  sollten jedoch  schon die ersten Alarmglocken klingen.  Diverse Uhrmachermarken auf der Innenseite der Rückdeckel sind ein weiteres Indiz - solche  Uhrwerke sollte man keinesfalls kaufen.

Gerhard Schmidt
2013

 

Rolex-Kaliber 1570
2-schenklige Schraubenunruh aus Glucydur mit zwei Microstella-Regulierschrauben, Breguetspirale, 19800 Halbschw./Std., Kif-Ultrafex-Stoßsicherung, Ankerrad mit Duofix-Kombilager, indirekte Zentralsekunde, Sekundenstopp, Datumsanzeige.Automatik-Baugruppe als komplette Einheit abnehmbar. Schwermetallrotor, beidseitig über einen Klinkenradwechsler aufziehend.

 

Omega Kaliber 1021
4-schenklige schraubenlose Unruh aus Glucydur, Rückerfeinstellung über seitliche Schraube, Nivarox-Spirale, 28800 Halbschw./Std., Kif-Incabloc-Stoßsicherung, indirekte Zentralsekunde, indirekt geführter  Minutenzeiger, Sekundenstopp, Datumsanzeige mit augenblicklichem Wechsel und Schnellkorrektur. Automatik-Baugruppe als komplette Einheit abnehmbar. Schwermetallrotor, beidseitig über einen Satellitenradwechsler aufziehend.

 

 

 

http://www.schild-eterna.de

© Gerhard Schmidt 2013