Rolex Kaliber 1570 vs. Omega Kaliber 1021

G.Schmidt No. 006

G.Schmidt No. 008
Springende Minutenzähler

Uhrengläser aus YAG
G.Schmidt mit Kaliber
736-3
von La Joux-Perret
Hand-
gefertigte
Uhren-
armbänder


G.Schmidt
Chronograph mit Kaliber
108VCC

 

Eine Revision

Minerva Kal: 17.29.     16 3/4 ’’’

1929 wurde dieses Kaliber erstmals gebaut.
Seinerzeit eines der flachsten Chronographenwerke.
H= 5.85mm
D= 37,79 mm



Minerva Eindrücker-Chronograph
Kal: 17.29     16 3/4 ’’’

ca. 1942

 



Scan des Werkes im Kaufzustand

2004 erwarb ich dieses Uhren-Fragment von einem befreundeten Uhrmacher.
Da das Gehäuse und diverse Werkteile fehlten lag das Werk mit gut erhaltenem Zifferblatt, Stunden- und Minutenzeiger seit Jahren bei ihm in einer Schublade. Die Provenienz war nicht mehr zu klären.




Werbung für Minerva Uhren: "Einige Modelle für Wissenschaft, Wirtschaft, Sport"

 




Werbung für Minerva Uhren von 1947

 

 

Meine Hoffnung irgendwoher Ersatzteile zu bekommen zerschlug sich sehr schnell - niemand hatte Teile für dieses Werk. Auch eine Anfrage beim Hersteller brachte keinen Erfolg. Frau Reusser von Minerva teilte mir mit, dass die benötigten Teile nicht mehr auf Lager sind. Und so landete das Uhrwerk wieder in einer Schublade, diesmal in meiner.

2011 wurde ein fast identisches Werk, jetzt unter der Bezeichnung  MB M 16.29, von  Montblanc  auf den Markt gebracht. 

Das MB M 16.29  unterscheidet sich von dem Kaliber 17.29  lediglich durch einen zusätzlich angebrachten Schwanenhals und einen hufeisenförmig geschwungenen Blockierhebel mit Pfeilspitze der bei gedrückter Stopptaste das Chrono-Zentrumsrad festhält.
Für eine Uhr mit dem Kaliber MB M 16.29  verlangt die Hamburger Luxusmarke Montblanc, die 2006 die Manufaktur Minerva übernahm, jetzt, je nach Ausführung, ca. 30000 bis 70000 Euro.

Das Chronos Special vom Okt. 2011 über Montblanc und die Manufaktur Minerva, die heute als „Institut Minerva de Recherche en Haut Horlogerie“ agiert, gab den Anstoß das längst vergessene Minerva Kaliber wieder aus der Schublade zu nehmen, ein Gehäuse zu bauen und die fehlenden Teile neu anzufertigen.

Die nachgebauten Teile:

  1. Schalthebel mit Klinke

  2. Herzhebel

  3. Herzhebelfeder

  4. Blockierhebel

  5. Blockierhebelfeder

  6. Minutenzählrad mit Herzscheibe

  7. Minutenzählradfeder

  8. Sternradwippenfeder

  9. Schalthebelfeder

  10. Drücker für den Schalthebel

  11. Zwei Zeiger

 

Als Arbeitsgrundlage diente ein Foto des Werkes aus einem Werksucher und ein Scan des Fragments. Die Zeichnungen der fehlenden Teile habe ich mit einer CAD-Software erstellt. Die Fertigung der Teile erfolgte in reiner Handarbeit ohne Zuhilfenahme computergesteuerter Maschinen.

 

 

 



Rechts das Kaliber MB M 16.29 

 

 

Leider habe ich nur wenige Fotos vom Arbeitsprozess gemacht, dennoch hier einige Fotos:



Der Schalthebel mit Schaltklinke im Rohbau.

 

 


Die Schalthebelfeder im Rohbau, gehärtet und angelassen.

Dieses Teil musste ich nochmals anfertigen. Vorspannung und Druckpunkt an der Schatlthebelklinke waren nicht optimal.


Die Schalthebelfeder mit eingenieteten Führungsstiften, angliert und geschliffen.

 

Das Minutenzählrad mit 30 Zähnen, gefräst mit Modulfräser 0,23.

 


Die Herzscheibe im Rohbau, eingespannt im Dreibackenfutter.

 



Zahnrad, Herzscheibe, Welle und Befestigungsschraube

 


herzhebel
Der Herzhebel im Rohbau, noch ohne Lagerbuchse.

Auf Grund seiner drei Kontaktpunkte das am schwierigsten zu fertigende Teil.
Der Herzhebel funktioniert nur wenn engste Toleranzen, die im 1/100 mm Bereich liegen, eingehalten werden.

herzhebel

Herzhebel, Herzhebelfeder und 30 Minuten Zählrad mit Herzscheibe werden angepasst.

 

 

Die Sternradwippenfeder im Rohbau

Die Sternradwippenfeder gehärtet und angelassen.

 

Der Blockierhebel mit Pfeilspitze im Rohbau.
Auch bei diesem Teil müssen engste Toleranzen, die im 1/100 mm Bereich liegen, eingehalten werden. Die Form der ins Schaltrad eingreifenden Klinke bedarf großer Sorgfalt.

Die Blockierhebelfeder

 

Der fertige Blockierhebel mit Feder.
Das Lager für die in die Platine eingeschraubte Führungsachse ist in den Hebel eingepresst.



Die Blockierhebelfeder mit starker Vorspannung hat zwei Funktionen, sie drückt den nur auf die Führungsachse aufgesteckten Blockierhebel zur Seite gegen das Schaltrad und gleichzeitig hält sie ihn durch Druck nach unten in seiner Position.



Unter der durchbohrten Pfeilspitze sitzt ein winziger Bremsklotz aus weichem 24-karätigem Gold, der bei gedrückter Stopptaste gegen das Chrono-Zentrumsrad drückt und es festhält.

Unter dem Blockierhebel schlängelt sich auf engstem Raum die nachgebaute Sternradwippenfeder. Da es sich um dreidimensionale Teile handelte, wobei die Formen der Unterseiten der einzelnen Federn und Hebel, sowie die Bauhöhen nicht bekannt waren,  musste ich alle Teile individuell anpassen um ein perfektes Zusammenspiel zu gewährleisten.



Die hauchdünn geschliffene Minutenzählradfeder


Die neu vernickelte Chrono-Brücke


Der Sekundenzeiger im Rohbau

 


Das fast fertiggestellte Werk

 



Baujahr 1942 und 2011

 


Es war der Mühe wert und es hat Spass gemacht.

Gerhard Schmidt
2013

 

 

Minerva-Kaliber 17.29     16 3/4 ’’’
2-schenklige Schraubenunruh , 18000 Halbschw./Std., Breguetspirale, keine Stoßsicherung, 17 Steine.

 

Montblanc-Kaliber MB M 16.29       16 3/4 ’’’     
2-schenklige Schraubenunruh, 18000 Halbschw./Std., Spirale mit Philips-Endkurve, Schwanenhals-Feinregulierung, Kiff-Stoßsicherung, 22 Steine.

 

 

http://www.schild-eterna.de

© Gerhard Schmidt 2013